Der Assistent.

Für viele Kommilitonen ist er das klassische Feindbild auf dem Campus: Der Assistent. Zu unrecht ist der Assistent, auch Assi genannt, verschrien als jemand, der nach oben (Professor) buckelt und nach unten (Studenten) tritt. Richtig fiese Kommilitonen behaupten deshalb, das Wort "Assi" käme von "Assel". Doch mit diesen lichtscheuen Kellertierchen hat der Assistent moderner Prägung nun wirklich nichts gemein. Es ist schließlich nur zum Besten der Studenten, daß sie in den mündlichen Prüfungen richtig anspruchsvolle Fragen gestellt bekommen und im Vorfeld der Klausuren von ihm thematisch in die falsche Richtung geführt werden. Glaubt ernsthaft irgendjemand, es würde ihm Spaß machen, sich in den Tagen vor den Grundstudiumsklausuren besonders gesund zu ernähren (viel Obst mit Beta-Carotin für die Augen!) und früh schlafen zu gehen, nur um wührend seiner Aufsicht möglichst viele Täuschungsversuche aufzudecken?

Man erkennt den Assistenten am leichtesten an seiner Hose. Er trägt generell die Art von Jeans, die nur gemeinsam mit einem Gürtel als günstiges Komplettpaket erworben werden kann. Da der Gürtel aber immer so viel Mühe beim An- und Ausziehen macht, läßt der Assistent ihn aus ökonomischen Gründen lieber weg, so daß die Hose ihm wie voll gemacht in den Kniekehlen hängt. Das ist schade, denn das verdeckt ein weiteres wichtiges Erkennungszeichen: die gräulichen Tennissocken mit roten und blauen Streifen, die in ein paar ausgetretenen Schuhen stecken, deren Sohlen zu sprechen scheinen. An diesen optischen Eigenarten erkennt der Professor übrigens auch die Eignung seines Assistenten für Forschung und Wissenschaft.

Problematisch im ansonsten erfüllten Leben des Assistenten ist allein das von ihm tunlichst gemiedene Thema "Sozialkontakte". Freunde hat er keine, eine Freundin schon gar nicht. Trotzdem hat er die Hoffnung auf Zärtlichkeit nicht aufgegeben. Kürzlich hatte er sogar erste Erfolge zu verbuchen. Auf der Weihnachtsfeler des Instituts vor zwei Jahren hat er, berauscht durch süßen, warmen Sekt und die Sex-Tips aus dem Internet, der Sekretärin des Profs den ganzen Abend erregt in den Ausschnitt gekuckt! Darauf läßt sich aufbauen.

Er ist schon ein Typ zum Pferdestehlen, der Assistent! Das bekommt er auch immer beim Treffen mit anderen Assistenten seines Lehrstuhls oder anderer Institute bestätigt. Dann erzählt man sich voll komische Witze über Algorithmen, Bunsenbrenner und Formeln und trinkt dabei auch schon mal ein doppeltes Malzbier. Nie ganz klar werden seine Motive, warum er sich für eine Halbtagsstelle als Assistent entschieden hat. Ist es die Promotion oder die Angst, im normalen Wirtschaftsleben schnell als verhaltensaufällig zu gelten? Oder lockt ihndas Gefühl, Macht ausüben zu können? Denn am Geld kann es eigentlich nicht liegen, obwohl er schon einen Weg gefunden hat, seinen Lohn stark aufzubessern: Die 0190er Nummern ruft er jetzt einfach nicht mehr von zu Hause aus an...


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